Das Ende einer Reise

‘Das Ende einer Reise’ ist der Name einer Serie von Panorama-Fotografien die ich im April/Mai 2017 auf der Ferieninsel Lesbos aufgenommen habe. Sie zeigen Orte die direkt oder indirekt mit der Flüchtlingsbewegung zu tun haben.

Um an diese Orte zu gelangen habe ich mich für einen Monat in einer kleinen NGO - der NoBorderKitchen engagiert. Das verschaffte mir die nötigen Informationen, gab mir aber auch Einblicke mit denen ich so nicht gerechnet hätte.

Altes Hotel

Wer illegal auf Lesbos ist oder nicht im Lager Moria sein will sucht sich Unterkunft in leerstehenden Gebäuden oder verlassenen Industrieliegenschaften. Das Fehlen von sanitären Einrichtungen, Elektrizität und Sicherheit ist für sie allemal erstrebenswerter als Diskriminierung, Gewalt und Hunger im Lager.

Schwimmwesten 5

Schwimmwesten 3

Die meisten Flüchtlinge kommen an der Nordspitze der Insel an - dort ist die Distanz zur Türkei etwa 7 Kilometer. In Jahr 2015 sind innerhalb eines Jahre eine Million Menschen auf der Insel angekommen. Von ihrem letzten Geld haben sie sich eine Schwimmeste gekauft. Diese Westen häuften sich innerhalb kurzer Zeit in hohen Bergen an den Stränden so das man sich entschloss, sie zusammen mit den gestrandeten Schiffen auf einer geschlossenen Müllkippe in der Nähe zu lagern, bis sie in der Müllverbrennung der Insel beseitigt werden können. Teilweise werden die Westen auch von Hilfsorganisationen zu Taschen umgearbeitet um durch den Verkauf ihre Arbeit zu finanzieren.

Die Schwimmwesten sind übrigens nicht funktionstüchtig. Statt mit Schwimmkörpern sind sie mit Autositzpolstern gefüllt. Bei Kontakt mit Wasser saugen sie sich voll und bedeuten den sicheren Tod.

Friedhof 2

Friedhof 3

Für die Leichen die im Meer gefunden werden und alle die tot auf Lesbos ankommen endet die Reise hier. In 2015 waren innerhalb einer Woche die Friedhofskapazitäten auf der Insel verbraucht und man wusste sich nicht anders zu behelfen als die Toten in Kühlcontainern zu lagern die man sich bei der Seefahrt beschaffte

Die Insel hat eine instabile Stromversorgung und es war zu befürchten das bei den in den Sommermonaten täglich stattfindenden Stromausfällen keine ausreichende Kühlung für die Leichen zu gewährleisten ist.

Die Verwaltung der Insel beteuerte, das ihr bei der Lösung des Problems die Hände gebunden seien während die Zeit verrann.

So haben Privatleute auf der Insel Äcker aufgekauft um dort die Menschen zu beerdigen. Es gibt fünf bis sechs solcher Gräberfelder. Die Meisten hier sind anonym beerdigt weil sie weder Pässe bei sich trugen noch jemand anderer ihre Namen wusste. So steht auf den Marmortafeln oft nur das Geschlecht, das Datum der Findung und ein Aktenzeichen unter dem man beim roten Kreuz eine Genprobe der beerdigten Person archiviert hat.

Offiziell gibt es diese Friedhöfe nicht - sie sind ein Politikum und gefährdet, von Rechtsnationalen geschändet zu werden.

Strandwache

Am Horizont erkennt man die türkische Küste. Hier gehen nachts Menschen in die Boote um auf das Licht des Flughafentowers von Mytilini hin zu steuern. Sie wissen nicht das gegen Mitternacht der Flugbetrieb endet und das Licht des Flughafens abgeschaltet wird.

Zu der Zeit nehmen Helfer am Strand ihre Wache auf und weisen mit einem Lagerfeuer den Weg damit die Flüchtlinge nicht ins offene Meer abtreiben.

In den Wohnwagen auf den Seiten des Bildes werden Decken und trockene Bekleidung gelagert.

Straße toter Wald

Lesbos hat nur wenig Strände an denen ein Schiff landen kann - große Abschnitte der Küste sind Steilküste. das verdörrte Land ist oft nur von verkohlten Baumgerippen bestanden. Die Insel ist so trocken das oft eine Aufforstung nach Bränden nicht mehr gelingt.

Häufig sind die verbrannten Wälder das Ergebnis von Brandstiftung. Baumbestand darf nicht für Neubauten gerodet werden. Wenn ein Wald allerdings verbrannt ist kann das Gelände bebaut werden. Durch die Finanzkrise sind diese Bauprojekte zum Erliegen gekommen.

Wer auf seiner Flucht kein Glück hat landet abseits der Strände in einer Felsenwüste ohne zu wissen wo Hilfe zu finden ist.

Steinige Landschaft

'Vogue!'

Vogue! ist einer Serie von Re-Enactments von Posen der klassischen Modefotografie. Hierfür halfen mir männliche Fotomodelle die sich die Qual antaten, die teilweise sehr anspruchsvollen Posen und Gesichtsausdrücke einzunehmen. Trotz der erkennbaren Schwierigkeiten gelingt es bei vielen Motiven die Geschlechterwahrnehmung über die Pose zu beeinflussen - die Modefotografie bestimmt unsere Idee von Geschlecht

'Wo die Geister sind'

SIe Serie 'Wo die Geister sind' besteht aus Panaorama-Aufnahmen ehemaliger Kriegsorte in der Gegend von Verdun, dem Ort an dem sich vor 100 Jahren der Schrecken des technisierten Kriegs in maximaler Potenz zeigte. Der Betrachter sieht unkommentiert Ansichten von Plätzen an denen sich das Morden konzentrierte. Das Auge lässt sich gern von reizvollen Landschaften fangen - Details geben Hinweis auf das historische Geschehen. Fehler im Bild, Dinge die so nicht an diesen Ort gehören.

Die Panaoramaaufnahme mit sogenannten Schwenklinsenkameras war zur Zeit des ersten Weltkriegs ein neu entwickeltes, praxistaugliches Verfahren zur schnellen Erstellung von Übersichtsaufnahmen. Es fand lebhafte Verwendung für strategische Fotos anhand derer Die Generäle die Schlachtfelder beurteilten ohne selbst vor Ort sein zu müssen.

'Das Tier im Wir'

DIe Serie 'Das Tier im Wir' ist ein zur Zeit unbefristetes Projekt zur Verwandschaft von Mensch und Tier. Menschliche Körper werden mit Projektionen tierischer Protraits und Ansichten beleuchtet. Die Körper nehmen die Bilder auf so das Vexierbilder und Täuschungen entstehen